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die chronik der datenpannen

SV Werder Bremen

06.07.2010

Am 28.06. präsentierte der Fußballverein SV Werder Bremen der Öffentlichkeit seine Mitgliederdatenbank. Sie haben einen Newsletter versandt, der einen Link zu der Datenbank enthalten hat. Für ca. 2 Stunden waren Namen, Adressen, Geburtsdaten und Kontonummern von 34.700 Mitgliedern abrufbereit.

Der Verein informierte die Betroffenen, der Datenschutz wird den Fall weiter prüfen.

Müncher Briefwähler-Adressen zum Kauf angeboten

16.06.2010

Über mehrere Zwischenwege sind die Privatanschriften von 15.000 Briefwählern aus München abhanden gekommen. Aufgetaucht waren sie bei einem Adreßhändler, der diese weiter veräußern wollte.

Nach Angaben der Müncher Stadtverwaltung wurden dem Berchmanskolleg des Jesuitenordens Umschläge von Briefwahlanträgen überlassen, “zur Ablösung von Briefmarken für wohltätige Zwecke”. Allerdings wurden die Umschläge als Massenware für Markensammler an einen privaten Händler verkauft. Diese landeten am Ende bei MTM. Der Berchmanskolleg beruft sich hierbei, daß keinerlei Auflagen über die Briefhüllen gemacht worden.

Bliebe nur die Frage offen, was die Stadt München zu so einen Schritt bewegt hat – immerhin geht es keinem etwas an, wer an einer Briefwahl teilgenommen hat.

AT&T offenbart Mailadressen seiner iPad-Kunden

09.06.2010

Das amerikanische Telekommunikationsgroßunternehmen (schönes Wort) AT&T hat in den Vereinigten Staaten einen Exklusivvertrag mit Apple für den Verkauf des iPad. Nutzer können, bei entsprechender technischer Ausstattung über das Mobilfunknetz ins Internet gehen und dabei auch auf spezielle iPad-Services von AT&T zugreifen. Eine solche Anwendung ermöglichte es, auf Anfrage, anhand der ID der SIM-Karte, die E-Mail-Adresse des Benutzers zuermitteln.

Eine Hackergruppe hat dies genutzt, um die E-Mail-Adressen von 114.000 iPad-Besitzern zu sammeln. Dazu wurde ein kleines PHP-Skript geschrieben, welches mit der Bruteforce-Methode (Durchprobieren) kontinuierlich SIM-IDs an die Anwendung sendet und E-Mail-Adressen empfängt. Zusätzlich wurde der User-Agent des Rechners manipuliert, um gegenüber dem AT&T-Server ein iPad zu simulieren.

E-Waste: Brisante Daten auf dem Flohmarkt

10.05.2010

Immer wieder gelangen Kriminelle mühelos an sensible Daten, weil Datenträger unachtsam entsorgt werden. Zumindest einige der ausgedienten Festplatten des Traunsteiner Finanzamtes kaufte zum Glück ein ehrlicher Bauunternehmer. Nach dessen Angaben war sofort nach dem Einbau von zwei Festplatten zu erkennen, dass diese zuvor der Behörde gehörten. Dort hatte man sich offenbar nicht einmal die Mühe gemacht, die Festplatten auf herkömmliche Weise zu löschen, geschweige denn die Daten sicher zu entfernen.

Nachdem der Käufer die beiden Festplatten der Polizei übergeben hatte, besorgte er auf dem gleichen Flohmarkt neue. Auch diese enthielten wieder Daten des Finanzamtes in Traunstein. Da die Behörden verpflichtet sind, solche Daten zu vernichten, ermittelt nun die Polizei.

Auf den Festplatten befanden sich Listen von Steuersündern, Unterlagen über Steuerstrafverfahren, Vollstreckungsbescheide, Übersichten über Steuerbescheide, eine Übersicht über Steuersünder, Unterlagen über die Einnahmen eines Finanzamtes, ein Verzeichnis über die Käufer von rund 500 Waffen, sowie Angaben zu Fehlzeiten von Mitarbeitern und zu einem Disziplinarverfahren.

MobileMails

07.05.2010

Diese Datenpanne ist eine von vielen hübschen Begründungen, warum es sinvoll sein kann E-Mails zu verschlüsseln:

Eine Panne im Authentifizierungssystem von Vodafone hat in den Abendstunden des 5. Mai dazu geführt, dass vereinzelte Kunden bei der Nutzung von MobileMail über das Handy die E-Mails anderer Kunden sehen konnten. Nach Angaben von Vodafone wurde das Problem aber sehr schnell behoben.

Heise berichtet außerdem, dass ein Betroffener darauf aufmerksam wurde, als er 40 E-Mails von anderen Vodafone-Kunden einsehen konnte. Als er dies der Vodafone-Hotline mitteilte soll er allerdings gebeten worden sein, am nächsten Tag nocheinmal anzurufen, da vom zuständigen IT-Personal niemand verfügbar sei.

Britische Gesundheitsbehörde macht ihrem Ruf alle Ehre

06.05.2010

Nur eine Woche, nachdem die britische Datenschutzbehörde den National Health Service (NHS) zum schlechtesten Missetäter, bezüglich Datenpannen, gekürt hatte, zeigt dieser erneut, dass daraus keine Lehren gezogen wurden. Die NHS ist für knapp ein Drittel aller staatlichen Datenpannen, im Königreich in den lezten zwei Jahren, verantwortlich. Nun wurde vor einem schottischen Supermarkt ein USB-Stick gefunden, welcher Patientendaten von einer Klinik im Gebiet um Falkirk enthielt.

Bei der Klinik handelt es sich um eine Einrichtung für Patienten mit geistigen Problemen. Es ist nicht bekannt, welche Daten sich genau auf dem Stick befanden. ITPro berichtet, dass es sich auch um Angaben zu von diesen Personen begangene Straftaten und Personaldaten gehandelt haben soll.

Der USB-Stick war weder verschlüsselt, noch anderweitig geschützt.

SchülerVZ - mal wieder

04.05.2010

Es ist ja auch schon eine gefühlte Ewigkeit her, dass sich das Schülerverzeichnis mit Datenpannen schmückte.

Netzpolitik veröffentlichte jetzt eine wissenschaftliche Untersuchung (Paper), die belegt, dass noch immer problemlos Millionen von Schülerdaten gecrawlt und in eine externe Datenbank überführt werden können.

Im konkreten Fall wurde in wenigen Tagen eine Datenbank mit 1,6 Millionen Datensätzen angelegt (rund 30% aller Nutzerprofile). Alle Datensätze enthalten mindestens Name, Schule und Link zum Bild. Je nach Privatsphäreneinstellungen der Schüler sind aber in der Regel weitere Daten verfügbar.

Interessant ist bei diesem Fall auch, dass VZNet nicht auf die Hinweise des Studenten reagiert hat, welcher den Crawler programmierte. Da alle drei VZNet-Netzwerke auf der gleichen Technologie basieren ist der Angriff auch auf MeinVZ und StudiVZ übertragbar.

Die Frage, ob es sich dabei allerdings um eine Datenpanne im eigentlichen Sinne handelt bleibt noch zu klären. Der Nutzer kann eigentlich nicht erwarten, dass personenbezogene Daten, welche er online stellt, nicht kopiert werden. Hier besteht eher ein Aufklärungsproblem – Stichwort: Medienkompetenz. Kann der Nutzer aber erwarten, dass diese Daten nur bestimmten Personen zugänglich sind?

Diagnose: Paranoide Schizophrenie

29.04.2010

Wieder hat ein Bürger ein Visitenblatt des Kasseler Klinikums gefunden. Bereits vier Wochen zuvor hatte ein solches Papier mit Patientennamen, Geburtsdaten und Diagnosen den Weg aus dem Krankenhaus auf die Straße geschafft. Der betreffende Mitarbeiter war diesmal auf Grund handschriftlicher Notizen auffindbar. Geschäftsleitung und Mitarbeiter haben sich laut Frankfurter Rundschau “einvernehmlich getrennt.”

Normalerweise werden Visitenblätter nach dem Schichtwechsel im Schredder entsorgt.

Münster: Sozialhilfeakte auf Abwegen

27.04.2010

Der Vollständigkeit halber: Ein Unbekannter hatte, vor einem Lokal in Münster, eine Akte mit Unterlagen zum Sozialhilfeantrag einer Einwohnerin gefunden und diese dem WDR zugespielt. Der Stadtverwaltung zufolge, hätte diese Akte eigentlich, gemeinsam mit vielen anderen Akten aus einem angemieteten Archiv-Gebäude, vernichtet werden sollen. Die Unterlagen waren bereits mehr als fünf Jahre alt.

Facebook-Logins

24.04.2010

Kirllos, nennt sich ein russischer Cracker, der zur Zeit in einschlägigen Foren und darüber hinaus auf sich aufmerksam macht. In Marktschreiermanier werden Facebook-Accounts feil geboten. Schon für sagenhafte 25 US-Dollar sind die Logins zu 1000 Accounts zu haben. Für 20 Dollar Aufschlag gibt es Deluxe-Accounts mit vielen Freunden und hoher Aktivität.

Nach Angaben der US-Sicherheitsfirma VeriSign sollen bereits die Passwörter zu mindestens 700.000 Accounts verkauft worden sein. Im Angebot sind zur Zeit allein von diesem Cracker rund 1,5 Millionen Zugangsdaten für Facebook. Da mit einem Login nicht nur die persönlichen Daten des Opfers, sondern auch die persönlichen Daten von dessen Freunden zu haben sind, sowie das Vertrauen dieser Freunde, verbirgt sich dahinter ein enormes Potential.

Die ORF Futurezone mutmaßt, dass die Daten über Phishing-Angriffe gewonnen wurden. Hier kann in Sozialen Netzwerken der “Freunde”-Faktor ausgenutzt werden. Viele Benutzer vertrauen Links in E-Mails, die scheinbar von ihren “Freunden” kommen.

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